Krieg ist die Hölle

Jugendoffizier Raphael Schewiola referiert am GAT über sicherheitspolitische Themen

Einen ebenso informativen wie eindrucksvollen Einblick in aktuelle sicherheits- und verteidigungspolitische Fragestellungen erhielten kürzlich die Zehntklässlerinnen und Zehntklässler des städtischen Gymnasiums Am Turmhof (GAT). Zu Gast war Hauptmann Raphael Schewiola, Jugendoffizier der Bundeswehr, der auf Einladung des Wirtschaft-Politik-Lehrers Bernhard Karst das Gymnasium besuchte.

Gleich zu Beginn seines Vortrags verdeutlichte Schewiola die Bedeutung, aber auch die Herausforderungen multilateraler Zusammenarbeit in der internationalen Sicherheitspolitik. Am Beispiel des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen erläuterte er dessen zentrale Rolle für die Friedenssicherung sowie die Problematik des Vetorechts der fünf ständigen Mitglieder.

Kosten für Sicherheit

Unter Bezugnahme auf das Grundgesetz machte der Jugendoffizier deutlich, dass die Bundesrepublik Deutschland in ein System gegenseitiger kollektiver Sicherheit eingebunden ist. Dieses umfasse unter anderem die Europäische Union, die NATO sowie die Vereinten Nationen und diene der Wahrung des Friedens.

Anhand einer Weltkarte veranschaulichte Schewiola die internationalen Einsätze der Bundeswehr und den deutschen Beitrag zur Stabilisierung der internationalen Sicherheitslage.

Die Bedeutung von Frieden und Sicherheit stellte der Referent immer wieder in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Zur Verdeutlichung nutzte er das Modell der menschlichen Bedürfnispyramide: Sicherheit bilde hier – neben den physiologischen Bedürfnissen – das zentrale Fundament und sei Voraussetzung für Freiheit, Stabilität und Wohlstand. Dass die Gewährleistung von Sicherheit mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden ist, zeigte Schewiola anhand eines Blicks in den Bundeshaushalt 2025 und der darin ausgewiesenen Verteidigungsausgaben.

Sicherheitspolitische Herausforderungen

Ein besonders eindrücklicher Teil des Vortrags widmete sich den aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen, insbesondere denen in Osteuropa. Schewiola erläuterte zunächst die zunehmende Bedeutung hybrider Bedrohungslagen, bevor er ausführlich auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen kam. Dabei machte er die gravierenden und langfristigen Folgen von Kriegen für einzelne Menschen sowie gesamte Gesellschaften deutlich: Viele Soldaten kehrten traumatisiert zurück, entwickelten infolge ihrer Erlebnisse Alkohol- oder Drogenabhängigkeiten oder gäben erfahrene Gewalt in ihrem persönlichen Umfeld weiter. „Krieg ist schlichtweg die Hölle“, fasste der Jugendoffizier diese Erfahrungen zusammen. Krieg bedeute stets Tod, Verwundung und schwere psychische Schäden – eine Realität, die niemals verharmlost werden dürfe.

Diskussion mit Schülerinnen und Schülern

Ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung war die Möglichkeit für die Schülerinnen und Schüler, Fragen zu stellen. Diese bezogen sich unter anderem auf das jüngst vom Deutschen Bundestag beschlossene Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, die aktuelle Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr sowie auf persönliche Erfahrungen und Herausforderungen von Soldatinnen und Soldaten. Bei der Beantwortung der Fragen betonte Schewiola, dass sicherheitspolitische Entscheidungen stets auch politisch und gesellschaftlich diskutiert werden müssten – genau darin liege der Kern einer funktionierenden Demokratie.

Der in den Wirtschaft-Politik-Unterricht eingebettete Besuch des Jugendoffiziers bot den Schülerinnen und Schülern einen umfassenden Einblick in aktuelle sicherheits- und verteidigungspolitische Fragestellungen. Zugleich regte er dazu an, sich kritisch-reflektiert mit diesem Themenfeld auseinanderzusetzen und die eigene Meinung zu äußern.

Fotos und Text: B. Karst