Wenn die Periode einsetzt…

… gibt es an den weiterführenden Schulen in Mechernich jetzt frei verfügbare Tampons und Binden aus dem Spender – Idee entstand bei einem pädagogischen Tag des Gymnasiums Am Turmhof – Projekt wurde mit dem städtischen Gebäudemanagement umgesetzt.  

Noch hängt der Zettel da. „Was tun, wenn ich meine Periode bekommen habe und ohne Hygieneprodukte bin?“, lautet die Eingangsfrage auf dem Blatt Papier, das auf der Mädchentoilette im Mechernicher Gymnasium Am Turmhof (GAT) hängt. Die Antwort: Zur Sekretärin gehen und sie danach fragen. Doch das kostet mitunter Überwindung und ist für das ein oder andere Mädchen gar nicht so leicht. Auch die Ermutigung „Ihr müsst Euch nicht schämen! Das ist ganz normal!“ hat sicherlich nicht bei allen Schülerinnen verfangen. 

Doch jetzt gibt es dafür eine elegante Lösung, die GAT-Hausmeister Albert Esser direkt neben dem Zettel anschraubt. Die Stadt hat nämlich sieben Hygienespender angeschafft, die mit Tampons und Binden befüllt werden. Schülerinnen können sich dort in einem geschützten Raum kostenfrei bedienen – und das ganz ohne zu fragen. „Drei Spender werden im Gymnasium und vier weitere werden in der Gesamtschule angebracht“, berichtet Sophia Bollig vom städtischen Gebäudemanagement. Sie war aktiv geworden, nachdem Biologielehrerin Petra Vatteroth auf sie zugekommen war. 

Schulhausmeister Albert Esser hat den ersten Spender im Gymnasium Am Turmhof montiert. Sophia Bollig (l., Stadt Mechernich) und Lehrerin Petra Vatteroth sind mit den Binden und Tampons zur Stelle.

„Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass Euskirchen ein entsprechendes Pilotprojekt am Emil-Fischer-Gymnasium auf alle weiterführenden Schulen ausweiten wird“, berichtet die Mittelstufenkoordinatorin. Und so haben sich die Lehrerinnen und Lehrer bei einem pädagogischen Tag darüber ausgetauscht. Dass das Thema auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun hat, ist auf den ersten Blick zwar weniger ersichtlich. „Aber zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen gehört eben auch die Geschlechtergleichheit“, betont Petra Vatteroth. 

Periodenarmut bekämpfen 

 Darunter lässt sich der freie Zugang zu Menstruationsartikel einsortieren. Ein Thema, das dabei eine Rolle spielt, ist die sogenannte „Periodenarmut“. So haben laut einer repräsentativen Umfrage der Kinderrechtsorganisation Plan International Deutschland fast ein Drittel der jungen Frauen in der Altersgruppe 16 bis 24 Jahren angegeben, dass die Ausgaben für die benötigten Hygieneprodukte eine finanzielle Belastung darstellen. Ein Zehntel zögert den Wechsel von Tampons und Binden sogar hinaus, um zu sparen. Doch das bringt Gesundheitsrisiken mit sich. 

Die jetzt installierten Spender sollen helfen, das zu vermeiden. Aufgefüllt werden sie von den Hausmeistern. Die Stadt Mechernich finanziert den Einkauf von Tampons und Binden. „Wir hoffen jetzt auf einen pfleglichen Umgang mit diesem neuen Angebot“, sagt Lehrerin Petra Vatteroth, die allerdings zuversichtlich ist, dass das klappt. Auch weil die Schülervertretungen das Projekt sehr positiv begleiten. Gute Erfahrungen wurden auch bereits in anderen Städten gemacht – etwa in Köln oder Düsseldorf. 

Für die neuen Spender im Mechernicher GAT werden jetzt noch Infoschilder gestaltet, berichtet Petra Vatteroth. Denn der Zettel, der bislang auf den Mädchentoiletten hing, kann ja jetzt weg.  

 

Text und Bild: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress