Für ein respektvolles Miteinander
Politische und wirtschaftliche Differenzen mit Russland und China haben in den vergangenen Jahren viele Kontakte und gemeinsame Projekte zum Erliegen gebracht. Auch am Mechernicher Gymnasium Am Turmhof (GAT) können die seit rund 15 Jahren gepflegten Schüleraustausche mit den russischen und chinesischen Partnerschulen aktuell nicht stattfinden. Vor diesem Hintergrund nutzten Schüler und Lehrer den 45. Weltfriedenstag für verschiedene Projekte, um sich für ein Miteinander mit ihren Partnerschulen einzusetzen. „Nur durch Kontakt und Austausch kann Frieden möglich werden und von Dauer sein“, so Schulleiter Micha Kreitz.
Umgesetzt hatten die Ausstellung und Aktionen mehrere Lehrer mit ihren Schülern. Dr. Antje Lehmhus hat von 2009 bis 2018 alle ein bis zwei Jahre den China-Austausch organisiert. Mit ihrer Lateinklasse hat sie sich für den Projekttag mit der chinesischen Kultur und dem Alltag der Menschen auseinandergesetzt. „Wir wollen hier nicht über politische Ansichten diskutieren, sondern beim rein Menschlichen bleiben“, erklärt die Lehrerin. Alltagsthemen wie Essen, Landschaften, traditionelle Kleidung und schulische Gewohnheiten standen deshalb im Fokus einiger Mitmach-Aktionen am Projekttag.
Gleichzeitig sei es auch wichtig, andere Perspektiven zuzulassen, betonen Kerstin Krus und Vladislava Koll, beide Lehrerinnen für „Russland – Sprache und Kultur“ am GAT. In der Demokratie sei es eine wichtige Grundlage, dass man seine Meinung äußern dürfe, ohne Angst haben zu müssen, dafür bestraft zu werden. Ziel sei es immer, im Gespräch zu bleiben.
Dieser Ansicht ist auch Micha Kreitz. Der Schulleiter erinnert sich an die Lit.Eifel-Lesung 2022 in der Aula des Gymnasiums, in der die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz ihre umstrittenen Aussagen zu den Ursachen des Ukraine-Kriegs vorgetragen hatte. Damals habe sie von Sicherheitsleuten auf die Bühne begleitet werden müssen. Solche Bedrohungen dürfe es in einer Demokratie nicht geben. Micha Kreitz: „Konflikte und unterschiedliche Ansichten sind im Miteinander von Menschen und Staaten normal. Wir müssen lernen das auszuhalten.“
Das Projekt zum UN-Weltfriedenstag steht dafür, dass man am GAT nichts unversucht lassen will, um den Kontakt mit den Partnerschulen wieder aufleben zu lassen. Und das trotz aller Widrigkeiten wie dem Rückgang von Stiftungsgeldern oder der Schließung der Goethe-Institute in Russland.
Privat pflege man weiterhin die Kontakte mit den Lehrerkollegen der Partnerschule. Mit Steckbriefen versucht man Brieffreundschaften zwischen Schülern zu vermitteln und vor eineinhalb Jahren haben man noch gemeinsam an einem Online-Planspiel des Goethe-Instituts teilgenommen. „Das Interesse der Schülerinnen und Schüler ist immer noch da“, so Vladislava Koll.
Eine Übung zum respektvollen Miteinander gab es indessen in den Kunsträumen. Kunstlehrerin Alexandra Dederichs-Tadic hatte die Schülerinnen und Schüler zum „Sumi Ink Club“ eingeladen. Ein kreatives Projekt, das entwickelt wurde, um Menschen im öffentlichen Raum miteinander ins Gespräch zu bringen. Mit schwarzer Farbe und unterschiedlichen Werkzeugen wird auf ein weißes Blatt gemalt. Punkte, Linien, Wellen, Zacken – aber nichts Gegenständliches, keine Buchstaben oder Zahlen. Dabei dürfen bereits bestehende Zeichnungen erweitert, aber nicht übermalt werden. „Alle müssen respektieren, was vorher gemacht wurde. Das ist eine Art Gleichheitsprinzip“, erklärt die Kunstlehrerin.
Für Schüler und Lehrer ist das Projekt zum UN-Weltfriedenstag mit der Hoffnung verbunden, künftig wieder friedensstiftende Kontakte mit den Partnerschulen in China und Russland aufzubauen. Micha Kreitz: „Auch in Deutschland und Frankreich konnten sich viele Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg nur schwer ein gemeinsames Miteinander vorstellen. Aber die Erfahrungen von damals zeigen: persönlicher Austausch ist hier der Schlüssel zum Erfolg.“
Bericht: pp/Agentur ProfiPress
Bilder: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress








